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Burning Down the House
Alex Lehnerer

“Will there be time to make myself a mask when I emerge from the shadows?”

– Alejandra Pizarnik

Modelle sind heilig. Sie haben trotz oder gerade wegen ihrer maßstäblichen Abstraktion eine suggestive Kraft. Wir unterscheiden zwei Arten von Modellen, die Präsentations- und die Arbeitsmodelle. Wobei letztere meist für moralisch wertvoller gehalten werden. Gerade in akademischen Kreisen. Das Arbeitsmodell steigert das Vorstellungsvermögen und damit den Erkenntnisgewinn. Im Idealfall entsteht eine Korrespondenz zwischen Modell und dem zweiten heiligen Medium, der Zeichnung. Aber existiert ein solches Arbeitsmodell überhaupt? Viel öfter werden doch Modelle von Zeichnungen gebaut, als gebaute Modelle nachgezeichnet.

Ein Versuch soll die Existenz dieses Phantoms unserer Disziplin beweisen. Wir bauen großmaßstäbliche Modelle aus Holz. Im Maßstab 1:10. Die Realität der Strukturen erhöht sich, weil die Modelle in diesem Maßstab nicht nur räumlich, sondern langsam.

Das Abbrennen von Modellen als symbolischer Akt

I. Wir zünden die Modelle an

Und bauen weiter an den Überbleibseln. Auch zeichnerisch versuchen wir nach dem Brandaufmaß die verbleibenden Strukturen weiter zu denken. Und…, legen wieder Feuer. Zeichnen. Bauen. Abrennen. Bauen. Zeichnen. Brennen. Immer wieder. Schließlich ist es genug.

Das Ergebnis ist nicht das einer vorausschauenden Zeichnung, sondern eines der dialogischen Abhängigkeit zwischen Modell und Zeichnung. Der tatsächliche Zustand des halbverkohlten Modells ist wieder Ausgangspunkt einer spekulativen Weiterentwicklung. Ein ums andere Mal. Da war es kurz, das selbstbewusste Arbeitsmodell.

Fig. 1 Dieses Modell im Massstab 1:1 ist Sinnbild für den stetigen Wandel, dem unsere, vom Menschen geformte Landschaft.

Kiefernleisten brennen ab, Pappwände gehen in Flammen auf, Strukturen werden instabil und brechen zusammen. Am Ende bleibt nur noch ein kleiner Teil stehen. Entstellt und schief. Diesen Rest verwenden wir, um daran weiter zu bauen. Wir zeichnen das Ergebnis und zünden danach das Modell wieder an.

Und bauen weiter an den Überbleibseln. Auch zeichnerisch versuchen wir nach dem Brandaufmaß die verbleibenden Strukturen weiter zu denken. Und…, legen wieder Feuer. Zeichnen. Bauen. Abrennen. Bauen. Zeichnen. Brennen. Immer wieder. Schließlich ist es genug.

Das Ergebnis ist nicht das einer vorausschauenden Zeichnung, sondern eines der dialogischen Abhängigkeit zwischen Modell und Zeichnung. Der tatsächliche Zustand des halbverkohlten Modells ist wieder Ausgangspunkt einer spekulativen Weiterentwicklung. Ein ums andere Mal. Da war es kurz, das selbstbewusste Arbeitsmodell1.

Ein Versuch soll die Existenz dieses Phantoms unserer Disziplin beweisen. Wir bauen großmaßstäbliche Modelle aus Holz. Im Maßstab 1:10. Die Realität der Strukturen erhöht sich, weil die Modelle in diesem Maßstab nicht nur räumlich, sondern langsam. Modelle sind heilig. Sie haben trotz oder gerade wegen ihrer maßstäblichen Abstraktion eine suggestive Kraft. Wir unterscheiden zwei Arten von Modellen, die Präsentations- und die Arbeitsmodelle. Wobei letztere meist für moralisch wertvoller gehalten werden. Gerade in akademischen Kreisen. Das Arbeitsmodell steigert das Vorstellungsvermögen und damit den Erkenntnisgewinn2. Im Idealfall entsteht eine Korrespondenz zwischen Modell und dem zweiten heiligen Medium, der Zeichnung. Aber existiert ein solches Arbeitsmodell überhaupt? Viel öfter werden doch Modelle von Zeichnungen gebaut, als gebaute Modelle nachgezeichnet.

Und bauen weiter an den Überbleibseln. Auch zeichnerisch versuchen wir nach dem Brandaufmaß die verbleibenden Strukturen weiter zu denken. Und…, legen wieder Feuer. Zeichnen. Bauen. Abrennen. Bauen. Zeichnen. Brennen. Immer wieder. Schließlich ist es genug. Das Ergebnis ist nicht das einer vorausschauenden Zeichnung, sondern eines der dialogischen Abhängigkeit zwischen Modell und Zeichnung. Der tatsächliche Zustand des halbverkohlten Modells ist wieder Ausgangspunkt einer spekulativen Weiterentwicklung. Ein ums andere Mal. Da war es kurz, das selbstbewusste Arbeitsmodell.

Das Ergebnis ist nicht das einer vorausschauenden Zeichnung, sondern eines der dialogischen Abhängigkeit zwischen Modell und Zeichnung. Der tatsächliche Zustand des halbverkohlten Modells ist wieder Ausgangspunkt einer spekulativen Weiterentwicklung. Ein ums andere Mal. Da war es kurz, das selbstbewusste Arbeitsmodell.

Ein Versuch soll die Existenz dieses Phantoms unserer Disziplin beweisen. Wir bauen großmaßstäbliche Modelle3 aus Holz. Im Maßstab 1:10. Die Realität der Strukturen erhöht sich, weil die Modelle in diesem Maßstab nicht nur räumlich, sondern langsam. Modelle sind heilig. Sie haben trotz oder gerade wegen ihrer maßstäblichen Abstraktion eine suggestive Kraft. Wir unterscheiden zwei Arten von Modellen, die Präsentations- und die Arbeitsmodelle. Wobei letztere meist für moralisch wertvoller gehalten werden. Gerade in akademischen Kreisen. Das Arbeitsmodell steigert das Vorstellungsvermögen und damit den Erkenntnisgewinn. Im Idealfall entsteht eine Korrespondenz zwischen Modell und dem zweiten heiligen Medium, der Zeichnung. Aber existiert ein solches Arbeitsmodell überhaupt? Viel öfter werden doch Modelle von Zeichnungen gebaut, als gebaute Modelle nachgezeichnet.

Das Ergebnis ist nicht das einer vorausschauenden Zeichnung, sondern eines der dialogischen Abhängigkeit zwischen Modell und Zeichnung. Der tatsächliche Zustand des halbverkohlten Modells ist wieder Ausgangspunkt einer spekulativen Weiterentwicklung. Ein ums andere Mal. Da war es kurz, das selbstbewusste Arbeitsmodell.

Das Abbrennen von Modellen als symbolischer Akt des Widerstands im Entwurf

Ein Versuch soll die Existenz dieses Phantoms unserer Disziplin beweisen. Wir bauen großmaßstäbliche Modelle aus Holz. Im Maßstab 1:10. Die Realität der Strukturen erhöht sich, weil die Modelle in diesem Maßstab nicht nur räumlich, sondern langsam. Modelle sind heilig. Sie haben trotz oder gerade wegen ihrer maßstäblichen Abstraktion eine suggestive Kraft. Wir unterscheiden zwei Arten von Modellen, die Präsentations- und die Arbeitsmodelle. Wobei letztere meist für moralisch wertvoller gehalten werden. Gerade in akademischen Kreisen. Das Arbeitsmodell steigert das Vorstellungsvermögen und damit den Erkenntnisgewinn. Im Idealfall entsteht eine Korrespondenz zwischen Modell und dem zweiten heiligen Medium, der Zeichnung. Aber existiert ein solches Arbeitsmodell überhaupt? Viel öfter werden doch Modelle von Zeichnungen gebaut, als gebaute Modelle nachgezeichnet.

Und bauen weiter an den Überbleibseln. Auch zeichnerisch versuchen wir nach dem Brandaufmaß die verbleibenden Strukturen weiter zu denken. Und…, legen wieder Feuer. Zeichnen. Bauen. Abrennen. Bauen. Zeichnen. Brennen. Immer wieder. Schließlich ist es genug. Das Ergebnis ist nicht das einer vorausschauenden Zeichnung, sondern eines der dialogischen Abhängigkeit zwischen Modell und Zeichnung. Der tatsächliche Zustand des halbverkohlten Modells ist wieder Ausgangspunkt einer spekulativen Weiterentwicklung. Ein ums andere Mal.

  • 1 They did live in the same street, however, their impressions and memories of it are reflection of their complicated relationship to Kassel: “Wir wohnen in der Bellevuestrasse,” Wilhelm Grimm noted in a letter from 1825, “die schöne Weite und allenthalben freie Aussicht läßt uns vergeßen, daß wir in der Stadt wohnen” (We live in the Bellevuestrasse, and its lovely location and unimpeded view helps us forget that we live in the center of town). They despised the city’s barracks-like newer architecture: even in Berlin, that forbidding symbol of Prussian militarism, “wird nicht so niederträchtig kasernenartig gebaut wie in Cassel” (the building isn’t quite as base and barracks-like as it is in Kassel). Quoted in Annemarie Hürlimann and Nicola Lepp, eds., Die Grimmwelt: Von Ärschlein bis Zettel (Munich: Sieveking, 2015), p. 73.
  • 2 This well-known quote appears in virtually every biographical sketch of Hegel. For one source, see Susan Buck-Morss, Hegel, Haiti, and Universal History (Pittsburgh: University of Pittsburgh Press, 2009), p. 20.
  • 3 Two members of this so-called frühromantische circle, Clemens Brentano and Achim von Arnim, befriended the Grimm brothers in the early 1800s. Together, Brentano and von Arnim edited Des Knaben Wunderhorn (The boy’s magic horn), a landmark collection of old German folk songs and poems—a first volume of which appeared in 1805. It was in fact Brentano, whose sister Bettina went on to marry von Arnim and was later portrayed by Jacob and Wilhelm’s gifted artist-brother Ludwig Emil Grimm, who first asked the Grimm brothers to gather folktales for him to publish. One of the poems from the Wunderhorn treasure trove, “Wann mein Schatz Hochzeit macht” (When my sweetheart is married), inspired Gustav Mahler’s first major song cycle, Songs of a Wayfarer, begun in 1884, when the Austrian composer was musical and choral director at the Royal Theater in Kassel.

Alex Lehnerer ist Architekt und Hochschullehrer. Vor seiner Professur an der Grazer Schule war er Assistenz-Professor an der ETH Zürich und an der School of Architecture in Chicago. Er hat den Deutschen Pavillon in Venedig 2014 gemacht; zu seinen Büchern gehören „Grand Urban Rules“ (NAi010 2009/2014), „The Western Town“ (Hatje Cantz, 2013) und „Bungalow Germania“ (Hatje Cantz, 2014). Den Doktor hat er von der ETH Zürich, den Master von der UCLA in Los Angeles und das Diplom von der TU Berlin. Das Architekturbüro ist in Zürich und Erlangen.

Diskursiv

A forum series that temporarily exposes current and practical architectural fields of tension and then permanently preserves them. This takes place in an analogue environment by means of exhibitions and publications. The focus is on the internal problem areas of architecture, which are to be dealt with in an interdisciplinary framework. Their subsequent presentation is to serve as a starting point for solutions and methodically open up further fields of discussion.


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